Paartherapie

 

 

Der Mensch wird am Du zum Ich (M. Buber)
oder: warum Rosen Dornen haben

 

Die meisten Liebesfilme enden damit, dass das Paar „sich kriegt“. Was wir nicht sehen, ist, wie es im wirklichen Leben danach weitergeht. Dann fängt es ja erst richtig an.

Oft verwandeln sich die Erwartungen an den Partner nach und nach in Ernüchterung und Enttäuschung, die anfängliche Lust aufeinander schwindet, Langeweile schleicht sich ein, und der einst geträumte Traum vom Liebesglück schwindet zusehends. Die Palette reicht von schmerzhafter Enttäuschung über Vorwurfskanonaden, versteckte Schuldzuweisungen bis zu Verbitterung, Groll und Beziehungsverweigerung. Die unausgesprochene Forderung lautet: „Ändere dich, geh endlich deine Probleme an, wenn du mich wirklich liebst!“

Aus dem anfänglichen Anziehungszauber ist ein Nebeneinander, ein Gegeneinander und, im Extremfall sogar „Krieg“ geworden, der einstige Liebes-Partner wurde zum Gegner. Oft erscheint die Trennung als einziger Ausweg aus dem Dilemma.

Leider bleibt damit auch der verborgene Sinn der Paarbindung, ihr Geheimnis und ihr ursprüngliches Potenzial übersehen und ungenutzt.

 

Gibt es Lösungswege aus diesem Beziehungs-„Klassiker“?

Zunächst einmal ist den meisten Menschen bei dem Ganzen nicht bewusst, dass wir keinen Einfluss darauf haben, in wen wir uns verlieben. Oft spielen sich, und das können die meisten derjenigen bestätigen, die mehrere Beziehungen „hinter sich gebracht haben“, die Erfahrungen, was Partnerwahl und Verlauf einer Beziehung angeht, immer wieder nach einem ähnlichen Muster ab.

Diese Muster bzw. Beziehungsschemata beruhen auf folgenden Ursachen:

  • der Begegnung mit den eigenen Kindheitsdefiziten
  • der (oft unbewussten) übermäßigen Verantwortung gegenüber dem Schicksal eines Familienmitglieds,
  • Identifikationen mit einem verborgenen und ungelösten Schicksal, ebenfalls innerhalb der Familie und/oder
  • unverarbeiteten alten Traumata.

Konflikte können sich in verschiedenen Bereichen des Zusammenlebens zeigen, zum Beispiel im Vertrauen der Liebenden zueinander, ihrer Intimität, der erotisch-sexuellen Lusterfüllung, der Kindererziehung, bis hin zu Banalitäten, wer den Mülleimer runterträgt – immer sind beide daran beteiligt, mit ihrem jeweils unterschiedlichen Bedürfnis nach Erfüllung des eigenen Wunsches und der eigenen Vorstellung.

Konflikte sind in einer Beziehung nicht nur nicht vermeidbar, sie sind gleichzeitig Indikator für den Schritt in die nächsthöhere Wachstums-Ebene (die nebenbei ein größeres Erfüllungs- und Lebendigkeitspotenzial und Zuwachs an echter Liebesfähigkeit mit sich bringt!).

Da beide Partner ihrem gemeinsamen Projekt „Beziehung“ zugestimmt haben, betreffen die nun anstehenden Konfliktlösungen ebenfalls beide. Die eigentliche Beziehungsarbeit besteht also im Bearbeiten der eigenen Anteile (der Auseinandersetzung mit den oben genannten Ursachen), die sich innerhalb der Beziehung als Dornengestrüpp zeigen. Das Beseitigen des eigenen Gestrüpps verringert den Abstand beider zueinander, und so kann auf einer tieferen und beständigeren Ebene Nähe, Intimität und Lust entstehen und wachsen.

Die Paarbeziehung wird damit zu einem Weg persönlicher Entwicklung und Erfüllung.

 

Das systemische Familienstellen, mit dem ich in meiner Praxis seit fast zwanzig Jahren erfolgreich arbeite, hilft dem Einzelnen, sein Beziehungspotenzial zu erkennen und es von seinem machtvollen Schattendasein in einen echten „Beziehungserfüller“ und eine wirksame Kraft zur eigenen Lebensmeisterung zu verwandeln.

 

Übrigens: Die Rose gilt seit jeher als die Blume der Liebe. Gärtner wissen, dass Rosen ohne Dornen nicht duften. Dornen scheinen also nicht nur als „notwendiges Übel“ zur Rose zu gehören, sondern sind wesentlicher und unabdingbarer Bestandteil ihrer ganzen Erscheinung.