Suchttherapie

Alles ist mir erlaubt, aber nicht alles nützt mir.
Alles ist mir erlaubt, aber nichts soll Macht über mich haben.
1.Kor. 6,12

 

Der Begriff „Sucht“ geht nicht, wie irrtümlich allgemein angenommen, auf „suchen“ (wie in „Sehnsucht“) zurück, sondern auf das heute kaum noch verwendete Wort „siechen“ (lange Zeit krank sein). Die Herkunft des Wortes macht deutlich, dass eine Suchterkrankung in der Regel eine langwierige Vorgeschichte hat.

Ursachen und Auslöser der Sucht können ganz unterschiedlich sein, zum Beispiel

  • „Spaß“ haben wollen, Langeweile, Verwöhnung
  • dazugehören wollen
  • Neugierde
  • durch mangelnde Vorbilder und fragwürdige Ideale (Schönheit, Jugend, Fitness etc.) hervorgerufene Minderwertigkeitsgefühle
  • Kindheitsdefizite
  • Missbrauch (körperlich, sexuell, emotional, spirituell)
  • Misshandlung
  • Überforderung
  • Kränkung (Ablehnung, Vernachlässigung etc.)
  • Selbsthass
  • Scham
  • unverarbeitete Traumata
  • unverarbeitete Verluste (Tod eines Angehörigen oder nahestehenden Menschen; Vertreibung, Flucht, Verlust der Heimat u.a.)
  • Arbeitslosigkeit, Armut
  • systemische Identifikation mit lebenden bzw. verstorbenen Ausgegrenzten der Familie
  • Perspektivlosigkeit, Werteverlust, Sinnleere

Natürlich können auch mehrere dieser Faktoren zusammentreffen.

Unabhängig vom Auslöser erfüllt die Sucht zunächst nicht erkennbar als Schutz- und Überlebensstrategie eine wichtige Funktion. Nach außen zeigt sie sich als Verlangen nach Schmerzverhinderung und/oder Luststeigerung. Der Preis ist der Verlust der körperlichen Vitalität und – noch schlimmer – der seelischen Lebendigkeit. Die Gefühle sind zwar geschützt, aber eingefroren.

Als Suchtmittel kann praktisch alles dienen und missbraucht werden, nicht nur die gängigen Suchtstoffe Alkohol, Drogen, Nikotin, sondern auch

  • andere Substanzen wie Medikamente, Koffein, Zucker etc.
  • Handlungen wie Essen (bzw. Fasten, Erbrechen), Spielen, Geldausgeben, Arbeiten, Sexualität, Wetten, Internetsurfen, Sammeln, Sport u.v.m.
  • Phänomene wie Erfolg, Anerkennung, Bewunderung, Bestätigung, Ruhm, Rechthaben, Macht u.a.

Oft treffen mehrere zusammen oder eines wird durch das nächste ersetzt (Stichwort Suchtverlagerung), zum Beispiel vermehrtes Essen von Süßigkeiten bei und nach Nikotinentzug).

Allen Süchten gemeinsam ist der unstillbare Drang nach einem Mehr (an Menge, an Intensität) und nach möglichst sofortiger Erfüllung des Begehrten. Die Gegenwart „ohne“ wird als unakzeptabel, unerträglich – unbewohnbar erlebt. Schließlich wird aus lustvoller Gewohnheit übermächtiges Muss.

Die Medizin der Jahrhunderte vor der Zeit der Aufklärung hat von „Besessenheit“ gesprochen – vielleicht eine gar nicht so untreffende Bezeichnung für ein Handeln gegen den eigenen Willen.

Der Süchtige ist sich seiner Unfreiheit und des zerstörerischen Zwangs bewusst, Dinge zu tun, die ihm (und möglicherweise seiner unmittelbaren Umgebung) massiv schaden (siehe Eingangszitat).

Begleiterscheinungen von Sucht sind Verleumdung, Tabuisierung, Verschleierung und Verharmlosung oder Ignorieren.

Erst durch die unausweichliche Konfrontation mit den Konsequenzen seiner Sucht, wenn er endlich anerkennen kann, dass seine Pseudo-Bewältigungsstrategie zusammengebrochen ist, erst wenn kein Ausweichen mehr möglich ist, ist der Suchtkranke bereit, sich mit seiner Krankheit und seinem von ihm selbst zerstörten Leben auseinanderzusetzen. Was auch immer dahin geführt hat, jetzt kann endlich der Weg in die Genesung gegangen werden – eigenverantwortlich, total und ohne Wenn und Aber.

 

Neben der Klassischen Homöopathie, die bei Suchterkrankungen nicht nur ursächlich, sondern auch symptomatisch bei den Folgeschäden hilft und unterstützt, arbeite ich in meiner Suchttherapie mit dem systemischen Familienstellen.

Von unschätzbarem Wert bei meiner Arbeit mit Suchtkranken ist meine über zehnjährige Erfahrung mit Selbsthilfegruppen innerhalb des Zwölf-Schritte-Programms.