Psychotherapie (HPG) in Regensburg

Einführung in mein Konzept

Werde, der du bist
Pindar

Unerlöste Kräfte zeigen sich oft scheinbar unüberwindlich im eigenen Lebensgefüge und bringen in einzelnen Bereichen oder im Ganzen Störungen mit sich.

Erziehung, übernommene fremde Maßstäbe und systemische Verstrickungen können sich hemmend auf das persönliche Lebensglück, auf Gesundheit, beruflichen Erfolg oder Beziehungsfähigkeit auswirken. Doch gerade sie enthalten eine Botschaft, deren Entschlüsselung das eigene Potenzial freisetzen kann.

Das Aufspüren dieser richtungsgebenden Wegweiser und deren Neu-Interpretation im Dienste der gesunden Ordnung mündet in die Fülle des Abenteuers „Leben“.

Durch meine beratende Tätigkeit in meiner Praxis für Psychotherapie (HPG) in Regensburg versuche ich, den Suchenden und Fragenden auf seinem Weg zu begleiten, ihm beizustehen und Möglichkeiten aufzuzeigen, sein Leid und dessen Ursprung besser zu verstehen, um es dort, wo es möglich ist, zu lösen oder zumindest seinen lebensversöhnenden und -tragenden Sinn zu finden.

 

Grundlagen meiner Therapie

Alle Menschen streben nach Erlösung ihres Leidens. Viele tun dies, indem sie nach Erleben höherer Bewusstseinszustände streben, sei es zum Teil mithilfe Jahrtausende alter Versenkungstechniken wie Meditation, Zen und Yoga oder anderen Methoden. Ermutigt werden sie durch Erfahrungsberichte von Religionsstiftern wie Buddha und großer Meister wie Meister Eckhart, Johannes vom Kreuz, Teresa von Avila und vielen anderen. Ziel dieser Bemühungen ist unter anderem das Aufheben der durch das menschliche Ego bedingten und erfahrenen irdischen Relativität, der Durchbruch in eine höhere erlebte Ordnung.

Dem gegenüber scheint der Ausspruch des zeitgenössischen Zenmeisters Willigis Jäger erst einmal im Widerspruch zu stehen, der Mensch sei ein kosmisch-geistiges Wesen, das hier eine irdische Erfahrung machen kann. Darüber hinaus lädt er sogar dazu ein, diese Erfahrung ebenso wertzuschätzen.

 

Was bedeutet „irdische Erfahrung“?

Die Dimension und der Schauplatz Erde beinhaltet zunächst einmal ein Erleben in Raum und Zeit. Möglich wird das durch unseren “Raumanzug”, den menschlichen Körper. Das Erleben dieser Dimension schließt Unterschiedliches, voneinander Verschiedenes mit ein: ein Hier und ein Da, ein Vorher und ein Nachher. Das sind nicht zwangsläufig Gegensätze, Widersprüche sondern auf einander bezogene Polaritäten, Qualitäten, die sich gegenseitig bedingen. Andere wären zum Beispiel hell/dunkel, Tag/Nacht, gut/böse, Täter/Opfer, Mann/Frau (auch wenn es da manchmal zu Widersprüchen und Gegensätzlichkeiten kommt ;-)).
Dazu eine fast zweieinalb Jahrtausende alte Weisheit:

Wenn auf Erden alle das Schöne als schön erkennen,
so ist dadurch schon das Häßliche gesetzt.
Wenn auf Erden alle das Gute als gut erkennen,
so ist dadurch schon das Nichtgute gesetzt.
Denn Sein und Nichtsein erzeugen einander.
Schwer und Leicht vollenden einander.
Lang und Kurz gestalten einander.
Hoch und Tief verkehren einander.
Stimme und Ton sich vermählen einander.
Vorher und Nachher folgen einander.

aus dem Tao Te King des Lao-Tse (um 400 v. Chr.)

Dazu zählt auch die erfahrbare Polarität Fördendes/Hemmendes, im Volksmund Glück und Pech genannt.
Zum Glück gehört der üblichen Ansicht nach alles „Positive“ wie Reichtum, Erfolg, Anerkennung, Gesundheit, Schönheit, das „pralle Silbertablett“ – alles Angenehme und deshalb Erstrebenswerte.
Zum Anderen, Schicksalhaften (der Volksmund nennt es das Päckchen, Jesus spricht vom Kreuz) gehört alles Leidhafte, Dunkle wie Armut, Krankheit, Schmerz, Alter, Behinderung und ähnliches. Es führt ein Schattendasein, wird negiert oder ist zumindest mit Scham besetzt. Um das Dunkle aus seiner einseitigen Bewertung herauszunehmen, wird es im Folgenden häufig auch als „Lebensaufgabe” oder “Lebensprojekt” bezeichnet.

Dennoch gilt: Erdpolarität schließt beides als gleichberechtigt ein, beide Seiten gehören dazu, eines ist ohne das andere nicht denkbar.

Ich wiederhole hier gern nochmals den Schlussgedanken meines Textes zur Paartherapie: Die Rose gilt seit jeher als die Blume der Liebe. Gärtner wissen, dass Rosen ohne Dornen nicht duften. Dornen scheinen also nicht nur als “notwendiges Übel” zur Rose zu gehören, sondern sind wesentlicher und unabdingbarer Bestandteil ihrer ganzen Erscheinung.

 

Die eigene Lebensaufgabe

Vieles, was einem im eigenen Leben “heimsucht”, ist offensichtlich unvermeidbar: der frühe Tod eines nahen Angehörigen, die Auseinandersetzung mit einer körperlichen Behinderung oder psychischen Beeinträchtigung, das Hineingeborenwerden in ein Kriegsgebiet, eine verfolgte Glaubensrichtung oder diskriminierte Hautfarbe. Auch Mangel an elterlicher Zuwendung, oder etwa die Bevorzugung von Geschwistern u.v.a. gehören hierher – alles, was als eigenes Defizit erlebt werden kann.

Leiden ist verbunden mit Behinderung und Mangel, oft auch mit Schmerzen (seelisch oder körperlich).

Beim genaueren Hinsehen auf das Leiden (auch in Hinblick auf die irdische Polarität!) hat es dennoch auch etwas Gutes, Nützliches an sich. Bei körperlichen Erkrankungen wie Schnupfen oder beim Durchfall wird schnell klar, dass es neben all dem Unangenehmen gleichzeitig um einen Reinigungs- bzw. Heilungsprozess geht. Das kann naturgemäß nicht ohne Symptome (z.B. Fieber!) ablaufen. Das Endergebnis ist ein stärkerer Organismus, der seinen Zuwachs der Überwindung einer Störung verdankt. Besonders deutlich wird das bei Kindern, die Masern, Windpocken und andere Kinderkrankheiten überwunden haben.

Selbst bei großen Schicksalen wie unheilbaren körperlichen oder psychischen Beschwerden ist Raum für diese Zunahme gegeben, etwa in Form von Geduld, Toleranz, gesunder Demut, erweiterter Sinngebung bzw. tieferem Schicksalsverständnis …

Immer wieder  kann die Frage zum stärkenden und Sinn machenden Wegbegleiter werden: Für was könnte es gut sein, was mir da passiert? Der Mensch mit seinem freien Willen darf sich selbst darauf seine eigene Antwort geben.

Auch dort, wo es bisher nicht überwunden werden konnte, findet doch zumindest durch das Durchleiden des Dunklen, Schicksalshaften – in allen seinen Facetten – Wachstum und Entwicklung statt, offensichtlich oder verborgen. (Oft erkennt man ja erst spät im Nachhinein seinen Nutzen.)

Wo einem der schmerzhafte Polaritätsanteil begegnet, kann es weiterhelfen, sich die Wahrheit (und vielleicht eine eigene vergessene Erfahrung dazu) in Erinnerung zu rufen, dass selbst („negativer“) Mist als („positiver“) Dung dienen kann. Unter diesem Blickwinkel schrumpfen übliche subjektive Bewertungen wie „gut” oder „schlecht” zu relativen und bedeutungslosen Größen.

Ein wunderbares Beispiel für diese Verwandlung ist auch die Perle: In ihrer einmaligen Kostbarkeit und hohen symbolischen Qualität ist sie reales Sinnbild für Veredelung und Steigerung. Ihre Entstehung verdankt sie ja erst der verletzten Muschel und den daraus folgenden Prozessen.

Die gute Nachricht: Bei Weitem nicht alles, wo einem das eigene Päckchen begegnet, ist unverrückbares Schicksal”. Kindheitsdefizite wie zuwenig Wahrgenommenwordensein, Mangel an Zuwendung, Nähe oder Verständnis seitens der Eltern z.B. sind zwar in ihrer Tatsache unveränderbare Vergangenheit, aber deren psychische Folgen können über den therapeutischen Heilungsprozess in ihr positives, erlöstes Pendant umgewandelt werden. Das bedeutet, dass das zuwenig Erfahrene (oder ganz Ausgebliebene) durch vollständige Annahme als eigene Lebensaufgabe und deren schrittweise Verarbeitung durchaus, wenn die Zeit reif ist, in seiner erfüllten Form als eigener integrierter Lebensschatz erfahren werden kann.

Dazu das Gelassenheitsgebet eines Anonymen sowie ein Zitat von Theodore Roosevelt:

„Gott, gib mir
die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann und
die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.“

*

„Es ist nicht der Kritiker, der zählt; nicht der Mann, der aufzeigt, wie der Starke gestolpert ist oder wo der, der Taten gesetzt hat, diese hätte besser machen können. Die Anerkennung gebührt dem, der tatsächlich in der Arena steht, dessen Gesicht von Staub, Schweiß und Blut gezeichnet ist; der sich tapfer bemüht; der irrt und wieder und wieder scheitert, denn es gibt keine Bemühungen ohne Irrtümer und Schwächen. Das Ansehen gebührt dem, der tatsächlich bestrebt ist die Taten auszuführen, der große Begeisterung kennt, und große Hingabe; der sich in einer wertvollen Sache hingibt; der im besten Fall den Triumph der Erfolges erfährt und im schlimmsten Fall scheitert, aber wenigstens mutig wagt. Sein Platz wird niemals bei den kalten und schwachen Seelen sein, die weder Sieg noch Niederlage kennen.”

Theodore Roosevelt, US Präsident (1858-1919)

***

Die fremde Lebensaufgabe

Nicht jede Lebensaufgabe, die sich im eigenen Leben zeigt, gehört auch zu einem selbst. Oft wird der Mensch eher und stärker von einem fremden Schicksal berührt und geprägt als von seinem eigenen: sei es, dass das Kind z.B. tief unbewusst spürt, dass die Mutter mit alten Defiziten ringt (vielleicht einem früh verstorbenen Elternteil nachtrauert) oder mitbekommt, wenn sie vom seinem Vater misshandelt, missbraucht oder verlassen wird, wenn ein Elternteil suchtkrank, körperlich oder seelisch behindert ist oder anderweitig im Leben benachteiligt wird. In seinem kindlichen, noch weitestgehend unreflektierten Bewusstsein bezieht es das alles wie magisch auf sich selbst, und in dieser scheinbaren Allmacht fühlt es sich  für das fremde Leid, das Defizit eines geliebten anderen Menschen verantwortlich. Überflüssig zu sagen, dass das Kind sich noch nicht bewusst damit auseinandersetzen kann. Dazu kommt das tiefe Gefühl emotionaler Unsicherheit und existenzieller Bedrohung. So wird der tiefe Wunsch geboren, z.B. der Mutter vielleicht ihren früh verstorbenen Vater zu ersetzen, sie vor der aggressiven Willkür des Vaters zu schützen, ihr den fehlenden Ehemann zu ersetzen oder erfolgloser zu sein als der ständig scheiternde Vater. Jedes Mittel scheint recht, die Umgebung aufzuhellen und fremde Defizite zu lösen.

Irgendwann findet sich dieses Kind im Erwachsenenleben wieder, wo ähnliche Schicksale bei Menschen oder in Situationen die gleichen alten Ohnmachts- und Hilflosigkeitsgefühle auslösen samt dem innigen Drang und Wunsch, eben diese Gefühle nicht mehr spüren zu müssen. Die Strategie im Umgang damit allerdings ist immer noch die gleiche wie damals: das Sich-verantwortlich-Fühlen für den anderen bei gleichzeitiger Vernachlässigung seiner selbst. Da werden dann vor dem alkoholsüchtigen Ehemann die Flaschen versteckt, in der irrigen Annahme (magisches Denken!), dass dieser sich dann nicht mehr selbst schädigen kann, reibt sich auf der Arbeit auf oder zerbricht sich den Kopf für andere.

Landläufig spricht man vom Helfersyndrom oder Co-Abhängigkeit. Abhängigkeit deshalb, weil das eigene Befinden von dem eines anderen abhängig gemacht wird. Bei genauerer Betrachtung verschleiert der Betroffene (wie jeder Suchtkranke unbewusst oder bewusst) sein Verhalten mit einem halbwahrheitigen Interpretation des christlichen Gebots der Nächstenliebe. Das vollständige Gebot lautet ja, den anderen so zu lieben wie sich selbst, das heißt in Ebenbürtigkeit. (Um an dieser Stelle eventuell auftretende Missverständnisse zu vermeiden, ist hier nicht die Rede von liebloser Gleichgültigkeit dem Nächsten gegenüber!) Dem Wunsch, wirklich Gutes zu tun, sollten bewusste Motive zugrunde liegen: Meinem Nächsten tue ich eben nichts Gutes, wenn ich Verantwortung für ihn übernehme wie ein Elternteil für das eigene Kind. Der Co-Abhängige erzeugt durch diese Bevormundung ein ungutes und ungesundes Gefälle – und dabei vernachlässigt er gleichzeitig seine Pflicht, sich um seine eigene Lebensaufgabe zu kümmern. Luther übersetzt in dem Zusammenhang sehr deutlich: „Was siehst du aber den Splitter in deines Bruders Auge und den Balken in deinem Auge nimmst du nicht wahr?“ Lk 6,41

Es gehört zu den Geheimnissen des Lebens auf der Erde und ihrer Polarität, dass die (durch unbewusste Verantwortungsübernahme) angeeigneten Schicksalanteile anderer sich im eigenen Leben solange hemmend und störend wiederholen, bis sie erkannt und bearbeitet worden sind. Die Schlüsselwörter für den Umgang mit der fremden Lebensaufgabe ist deren Würdigung und Achtung.

Man sagt, die Deutschen lieben die Italiener – aber sie achten sie nicht. Die Italiener hingegen achten die Deutschen – aber sie lieben sie nicht. So gesehen, ist es mit ihrem Verhältnis untereinander nicht weit her. Achtung vor der Würde des Anderen und Liebe zu ihm gehören zusammen, das eine ist ohne das andere nicht zu haben, beide sind Seiten der gleichen Münze. So kann ich, wenn mir ein Rollstuhlfahrer über den Weg fährt, (überheblich) von ihm denken: „So ein armer Mensch“ oder ihn in der Bewältigung eines großen Schicksals sehen – im ersten Fall wird er sich diskriminiert fühlen, im zweiten geachtet und gewürdigt – wahrhaft geliebt.

Es geschieht somit vollkommen zu Recht, wenn ich am eigenen Projekt, die Lebensaufgabe eines Nächsten lösen zu wollen, scheitere. Das Scheitern selbst geschieht im Dienst meiner eigenen Genesung.

Im Grimm´schen Märchen „Der Gevatter Tod” [Link] wird die Thematik bildhaft anschaulich gemacht.

 

Zum Heilungsbegriff

Laut dem Herkunftswörterbuch der deutschen Sprache (Duden, 1989) ist das Wort „heil“ (im Sinne von „gesund“, „unversehrt“) vermutlich aus dem kultischen Bereich in die Profanspache gedrungen, vermutet wird eine starke Verwandtschaft mit dem Wort „heilig“ im Sinne von „heil“, „ganz“, „vollständig“.

(Irdische) Gesundung, Genesung, Heilung ist damit in die enge Nachbarschaft gerückt mit einem Hineinwachsen aus der rein irdischen Begrenzung und Bedingtheit heraus in ein Größeres, weit über das Persönliche hinaus Umfassendes.

Wäre das dann nicht etwas heilsamer Trost oder sogar ebenbürtiger Wertmaßstab zu äußerlichen (unerfüllt) gebliebenen Ansprüchen, Leitsternen und Idealen wie Erfolg, Schönheit, Jugend, Reichtum und anderen? Und vielleicht könnte daraus sogar die Kraft und der Mut kommen um mit Rilke einzustimmen:

Erde, du liebe, ich will.

9. Duineser Elegie, Rainer Maria Rilke (1875-1926)